LSG Sachsen L 1 KR 84/01 Medizinische indikation, Operation, Makromastie, Anhaltende somatoforme schmerzstörung

Urteil L 1 KR 84/01 des LSG Sachsen vom 24.09.2003

Titel bearbeitet von Annonym Titel bearbeiten

Vorschau

Seite 5 von 7

Navigation per Tastatur

Benutzen Sie die Tastenkombinationen aus STRG und den entsprechenden Pfeiltasten.
Strg + Vorherige Seite wird aufgerufen
Strg + Nächste Seite wird aufgerufen
Fenster schliessen
ist  hierbei  notwendig,  wenn  durch  sie  der  regelwidrige  Körper-  oder  Geisteszustand  behoben,  gebessert,  vor  einer  Verschlimmerung  bewahrt  wird  oder  Schmerzen  und  Beschwerden  gelindert  werden  können  (vgl.  bereits  BSGE  26,  240;  35,  10;  39,  167;  st.  Rspr.).  Zwar  liegt  eine  organische  Störung  bei  der  Brust  selbst  nicht  vor.  Auch  in  der  gegebenen  Brustgröße  ist  ein  regelwidriger  Körperzustand  nicht  zu  ersehen  (vgl.  dazu  bereits  das  Senatsurteil  vom  03.  Februar  1999,  Az.:  KR  31/98).  Bei  der  Klägerin  liegt  vielmehr  eine  Makromastie  vor.  Dies  weist  das  gynäkologische  Fachgutachten  nach,  das  Dr.  L1 ...  erstattet  hat.  Nach  allen  vom  Sachverständigen  aufgeführten  Definitionen  einer  Makromastie  besteht  bei  der  Klägerin  eine  derartige  Erkrankung.  Dabei  handelt  es  sich  um  eine  Erkrankung,  die  häufig  aufgrund  der  überschweren  Brust  zu  erheblichen  statischen  Problemen  führt  und  chronische  Schmerzen  des  Haltungsapparates  verursacht.  Die  Makromastie  selbst  wird  eingeteilt  in:  Juvenile  Mammahyperplasie,  Mammahypertrophie,  Altershypertrophie  und  Gigantomastie  mit  den  Symptomen:  Rücken-Nackenschmerzen,  Fehlhaltung,  BH-Trägerfurchen,  Intertrigo,  psychische  Belastung  (vgl.  Leitlinien  der  Vereinigung  der  Deutschen  Plastischen  Chirurgie  VdPC  [www.uni-  duesseldorf.de/WWW/AWMF/11/chvpc001.htm]  Gerber/Krause/Friese,  Restruktive  und  plastisch  ästhetische  Mammaoperationen,  Deutsches  Ärzteblatt  100,  Ausgabe  vom  21.  Februar  2003,  S.  A-474/B-411/C-388).  Nach  Ausführungen  des  genannten  Sachverständigen  sind  die  Gründe  für  eine  medizinische  Indikation  zur  Operation  wie  folgt  definiert:  Inframammäre  Feuchtigkeit  mit  Intertrigo,  Rücken-  und  Nackenschmerzen  schlechte  Haltung,  Schwere-  und  Völlegefühl  Hauteinziehungen  über  der  Schulter  von  dem  zu  hoch  gezogenen  Büstenhalter,  Schmerzen  in  den  Arm  ausstrahlend  (Brachialplexusbeteiligung),  Anatomische  Muskel-  und  Knochenveränderungen.  Die  vom  Sachverständigen  genannten  Gründe  für  eine  medizinische  Indikation  zur  Operation  weichen  auch  nicht  von  sozialmedizinischen  Beurteilungskriterien  für  eine  Operations-Indikation  ab.  Nach  der  "Begutachtungshilfe  Mamma-  Chirurgie  1998"  des  MDK  Nordrhein  ist  zum  Vorliegen  einer  Makromastie  bei  normalgewichtigen  Frauen  mit  Beschwerdesymptomatik  ausgeführt:  "Bei  Makromastie  besteht  gegebenenfalls  eine  Indikation,  wenn  zusätzliche  Beschwerden  im  HWS-  und  BWS-Bereich  angegeben  werden,  die  nach  intensiver  physikalischer  Therapie  nicht  gemindert  werden  konnten.  Bestehende,  röntgenologisch  fassbare  degenerative  Veränderungen  der  Wirbelsäule  können  durch  eine  Reduktionsplastik  nicht  behoben,  wohl  aber  deren  Auswirkungen  gemindert  werden.  Durch  Übergewicht  der  Brüste  im  Verhältnis  zum  übrigen  Körperbild  und  zusätzlicher  Ptose  kann  eine  Verschlimmerungstendenz  bestehender  Rücken-  oder  Schulter-/Armbeschwerden  aus  rein  physikalischen  Überlegungen  heraus  nicht  ausgeschlossen  werden.  In  jedem  Fall  sollte  ein  Resektionsgewicht  von  jeweils  500  pro  Seite  und  mehr  zu  erwarten  sein.  Als  sichtbare  körperliche  Zeichen  für  die  Einwirkung  der  schweren  Brust  können  "Schnürfurchen"  im  Bereich  beider  Schultern  durch  die  BH-Träger  und  mechanische  Druckstellen  in  anderen  BH-  Bereichen  bestehen."  Die  Klägerin  erfüllt  diese  Voraussetzungen  für  eine  Indikation  zur  Mammareduktions-Operation.  Auf  orthopädischen  Fachgebiet  leidet  sie  an  folgenden  Gesundheitsstörungen:  Cervicocranialsyndrom  bei  Kopfgelenksblockierung  OC  links;  Cervikales  Pseudoradikulärsyndrom  bei  Funktionsstörungen  der  cervicodorsalen  Überganges;  mäßige  muskuläre  Dysbalancen  des  Schultergürtels,  altersgemäße  degenerative  Veränderungen;  Thorakales  Schmerzsyndrom  bei  Costovertebraldegeneration;  Fehlstatik  und  Fehlbelastung  des  Schultergürtels  bzw.  der  HWS-  /BWS-Region  mit  verstärktem  Einfluss  aufgrund  der  vorliegenden  Makromastie  (vgl.  Gutachten  Dr.  H1 ...  dort  S.  9).  Die  Klägerin  hat  zur  Behebung  bzw.  Linderung  ihrer  orthopädischen  Beschwerden  mehrfach  und  intensiv  physiotherapeutische  Behandlungen  absolviert  und  Krankengymnastik  durchgeführt.  Die  Sachverständige  Dr.  H1 ...  hat  dazu  in  ihrem  Gutachten  vom  16.  Juli  2001  ausgeführt,  die  diesbezüglich  durchgeführten  eingeleiteten  Behandlungen  seien  vom  rein  orthopädischen  "Maßnahmenkatalog"  her  gesehen  üblich  und  ausreichend.  Die  Durchführung  einer  Mamma-Reduktionsplastik  würde  im  Rahmen  der  multikausalen  Verursachung  des  Beschwerdebildes  den  noch  fehlenden  Aspekt  der  Behandlungsmöglichkeiten  ausschöpfen.  Der  die  Klägerin  behandelnde  Praktische  Arzt  Dr.  G1 ...  berichtete  in  seinem  ärztlichen  Attest  vom  12.  März  1998,  physiotherapeutische  Maßnahmen,  Analgetika  und  Teilnahme  an  der  Rückenschule  der  Beklagten  hätten  keine  Linderung  erbracht.  Die  bisher  durchgeführten  ambulanten  Physiotherapien  zur  Beschwerdekoupierung  (manuelle  Therapie,  Massagen,  Stangerbäder,  Verordnung  von  Krankengymnastik  mit  Anleitung  als  häusliches  Eigenprogramm  zur  Dehnung  der  verkürzten  Schultergürtelmuskulatur)  (vgl.  Gutachten  Dr.  H3 ...,  dort  S.  11)  haben  daher  insgesamt  erkennbar  keine  Linderung  der  Beschwerden  der  Klägerin  erbracht.  Die  von  der  Beklagten  im  Widerspruchsbescheid  vom  14.  Dezember  1998  angeratene  Gewichtsreduzierung  (vgl.  auch  Gutachten  Dipl.-Med.  R2 ...  vom  02.  März  1998)  hat  die  Klägerin  zwischenzeitlich  durchgeführt.  Während  sie  im  Rahmen  der  Begutachtung  durch  den  MDK  am  25.  Februar  1998  noch  80  kg  wog,  betrug  das  Körpergewicht  bei  der  vom  Sachverständigen  Dr.  L1 ...  am  04.  September  2002  geführten  Untersuchung  lediglich  noch  67,6  kg.  Die  Klägerin  ist  daher  normalgewichtig  (BMI  24,83;  vgl.  Pschyrembel,  Klinisches  Wörterbuch,  258.  Auflage,  S.  221  "Body  mass  index").  Ausgehend  von  dem  Größen-Befund  im  Rahmen  der  MDK-Begutachtung  (25.  Februar  1998)  hat  sich  im  Vergleich  zu  der  Untersuchung  bei  dem  Sachverständigen  Dr.  L1 ...  im  Wesentlichen  trotz  Gewichtsreduktion  keine  Veränderung  der  Brustgröße  ergeben. (WhfZrhzGrgzyQbphzrag1.83)
1 2 3 4 5 6 7

Anmerkungen zum Urteil L 1 KR 84/01

Folgende Inhalte könnten Sie ebenfalls interessieren

(Brachialplexusbeteiligung), - Anatomische Muskel- und Knochenveränderungen. Die vom Sachverständigen genannten Gründe für eine medizinische Indikation zur Operation weichen auch nicht von sozialmedizinischen Beurteilungskriterien für eine Operations-Indikation ab. Nach der "Begutachtungshilfe Mamma- Chirurgie 1998" des MDK Nordrhein ist zum Vorliegen einer Makromastie bei normalgewichtigen Frauen mit Beschwerdesymptomatik
(Brachialplexusbeteiligung), - Anatomische Muskel- und Knochenveränderungen. Die vom Sachverständigen genannten Gründe für eine medizinische Indikation zur Operation weichen auch nicht von sozialmedizinischen Beurteilungskriterien für eine Operations-Indikation ab. Nach der "Begutachtungshilfe Mamma- Chirurgie 1998" des MDK Nordrhein ist zum Vorliegen einer Makromastie bei normalgewichtigen Frauen mit Beschwerdesymptomatik
eine medizinische Indikation für eine Mammareduktionsplastik könne nicht gesehen werden. Auf Grund der erheblichen degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule seien intensive krankengymnastische und balneophysikalische Therapie angezeigt. Die Beklagte teilte der Klägerin telefonisch mit, dass die beantragte Operation nicht gewährt werden könne. Auf den Widerspruch der Klägerin lehnte die Beklagte
eine medizinische Indikation für eine Mammareduktionsplastik könne nicht gesehen werden. Auf Grund der erheblichen degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule seien intensive krankengymnastische und balneophysikalische Therapie angezeigt. Die Beklagte teilte der Klägerin telefonisch mit, dass die beantragte Operation nicht gewährt werden könne. Auf den Widerspruch der Klägerin lehnte die Beklagte
Schmerzsyndroms. Die Beklagte veranlasste eine Untersuchung der Klägerin durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Sachsen-Anhalt (MDK). Die Ärztin oder der Arzt S. L. stellte am 11. Juli 2001 die Gewichte der rechten und der linken Mamma der Klägerin mit 1,6 kg bzw. 1,7 kg fest. Sie/Er führte aus: Eine medizinische Indikation zur Reduktionsplastik ließe sich nicht erkennen. Die von der Patientin